Overnight
USA: Schwache Konjunkturdaten lasteten auf den US-Börsen. Zyklische Titel wie Caterpillar gaben 4,4% nach. Auch Bankaktien wie J.P. Morgan (–4,3%) fielen. Die Ratingagentur Moody’s hatte wie befürchtet nach Börsenschluss die Kreditwürdigkeit Griechenlands sowie mehrerer spanischer Banken erneut gesenkt. Facebook will zum heute angekündigten Börsengang 421,2 Mio. Aktien zu je 38 $ ausgeben. Das soziale Netzwerk wird damit mit 104,2 Mrd. $ bewertet und ist nach Angaben von Bloomberg einer der grössten US-Börsengänge aller Zeiten. Apple verloren 2,9%. Wal-Mart Stores kletterten nach unerwartet guten Quartalszahlen dagegen 4,2%.
Asien: Die Rückstufung Griechenlands und die daraus erwachsenden Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung in Europa liessen auch die asiatischen Börsen tauchen. Besonders japanische Exportwerte wie Honda Motor (–3,4%), Toyota Motor (–3,5%) und Sony (–3,7%) notierten tiefer, nachdem der Yen an Wert gewonnen hatte. Auch die Titel anderer exportorientierter asiatischer Unternehmen wie Esprit (–4,9%) und Hyundai Motor büssten Terrain ein.
News Vorbörse Schweiz
ABB hat die bereits angekündigte Übernahme von Thomas & Betts abgeschlossen. Der Kauf des US-Unternehmens ist Teil der Expansionsstrategie innerhalb des Geschäftsfelds Niederspannungsprodukte. Durch die Übernahme werden die USA mit einem Jahresumsatz von 6,6 Mrd. $ und 19’ooo Mitarbeitenden der grösste Markt des Technologiekonzerns.
New Venturetec meldet, dass die wichtigste Portfoliogesellschaft Osiris (46,6% des New-Venturtec-Portfolios) die Marktzulassung für ihre Stammzellentherapie Prochymal in Kanada erhalten hat. Prochymal wird zur Behandlung immunologischer Reaktionen nach Knochenmark- oder Stammzelltransplantationen eingesetzt und ist nach Angaben von New Venturetec die erste Stammzellentherapie überhaupt, die von einer Gesundheitsbehörde bewilligt worden ist.
Novartis hat in einer Phase-III-Studie für das Mittel NVA237 zur Behandlung der Lungenkrankheit COPD positive Resultate erzielt. Das Medikament weist eine signifikante Verbesserung der Lungenfunktion bei mittlerer bis schwerer COPD auf. NVA237 ist in der EU unter den Namen Seebri und Breezhaler zur Zulassung angemeldet. In den USA erwartet der Pharmakonzern den Zulassungsantrag erst für 2014. Die Ergebnisse der Studie werden heute am Kongress der American Thoracic Society (ATS) in San Francisco präsentiert.
Die Biotech-Gruppe Cytos präsentiert die neue Zusammensetzung des Verwaltungsrats. Thomas Hecht wird als exekutiver Präsident des Verwaltungsrats eingesetzt. Insgesamt zählt das Gremium sieben Mitglieder.
Der Warenprüfkonzern SGS übernimmt die britische Vitrology. Das Unternehmen ist im Bereich biopharmazeutische und Biosafety-Kontrolle tätig und setzte im Geschäftsjahr 2011 mit 38 Mitarbeitern mehr als 3 Mio. £ um.
Transocean: Der Ölbohrkonzern hat seit dem letzten Flottenbericht Mitte April neue Aufträge von rund 726 Mio. $ abgeschlossen.
Für den Kauf der Petroplus-Raffinerie im englischen Croydon gibt es gemäss Reuters zwei bevorzugte Interessenten. Zudem sei einer der potenziellen Käufer daran interessiert, innerhalb der nächsten zehn Tage zu einem Abschluss zu kommen.
Credit Suisse: Das Zürcher Obergericht hat in einem Zwischenentscheid verfügt, dass drei CD, die Rudolf Elmer den Steuerbehörden bzw. dem Wirtschaftsblatt «Cash» zugestellt haben soll, von der Staatsanwaltschaft entsiegelt und ausgewertet werden dürfen. Mit dem Entscheid wertet das Gericht das Interesse an der Wahrheitsfindung höher als das Geheimhaltungsinteresse der betroffenen Bank Julius Bär, berichtet die NZZ heute Freitag.
Charttechnik
Leichte qualitative Verbesserungen sind beim SMI festzustellen. Aber Achtung: Nach wie vor ist es ein Abwärtstrend, der die Szene beherrscht. Grundsätzlich bestehen zwei Möglichkeiten, ihn zu beenden. Entweder dümpelt der SMI noch einige Tage lang im Grossen und Ganzen seitwärts und sammelt dadurch genügend Kräfte für einen Aufschwung. Oder aber die Lage wird durch einen kurzen, heftigen Sell-off bereinigt. Die Phase, in der sich der SMI aktuell befindet, beinhaltet typischerweise immer die Option einer solchen Trendakzeleration.
→ Interessante Situationen bei einzelnen Aktien finden Sie im „Rooster“ von invest.ch, der täglich mehrmals aktualisiert wird.

Ausblick – Zinsen und Währungen
Bank of Japan und Anleger «streiten sich» um japanische Staatsschuld
Die Investmentgesellschaft Franklin Templeton hat über 20’000 Investoren in neunzehn Ländern, die 70% der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen, nach ihren Erwartungen befragt. Etwas mehr als die Hälfte glaubt, dass sich die Weltwirtschaft negativ entwickelt. Nur 20% würden im aktuellen Umfeld ein riskanteres Portfolio umschichten. Vor die Wahl gestellt, im kommenden Jahr nur in eine Region zu investieren, entscheiden sich zudem 56% für das Heimatland – der Home Bias hält sich hartnäckig. Und dies, obwohl nur 37% glauben, ihr Land würde die besten Anlagerenditen erbringen.
Japanische Anleger dürften es zunehmend schwer haben, in inländische Bonds zu investieren. Die japanische Zentralbank (Bank of Japan, BoJ) wollte rund 600 Mrd. Yen an zwei- bis dreijährigen Staatspapieren kaufen. Institutionelle Anleger waren am Mittwoch aber nur bereit, ihr 480,5 Mrd. Yen zu verkaufen, da die heimische Kreditnachfrage stagniert. Experten gehen davon aus, dass dies den Druck auf die BoJ erhöht, auch längere Laufzeiten und andere Anlageklassen in ihr Anleihenkaufprogramm aufzunehmen. Japan gilt angesichts der Eurokrise zudem als sicherer Hafen, in den nationale und internationale Liquidität fliesst. Dies, obwohl das Land mit 200% weit höher verschuldet ist als Europa und ebenfalls kaum wächst. Allerdings ist die Steuerbelastung insgesamt viel tiefer, weshalb eine Konsolidierung noch möglich ist. Solange der Markt dies glaube, bleibe Japan von einer Schuldenkrise verschont, erklärte Takeo Hoshi, Professor an der University of California in San Diego (UCSD), am Mittwoch an einem Vortrag an der Universität Zürich. Doch die Konsolidierung müsse angepackt werden, Geldpolitik allein könne die Probleme nicht lösen.
Die BoJ war ein Pionier der quantitativen Lockerung (QE). Bereits 2001, als die Nullzinspolitik an ihre Grenzen gestossen war, begann sie, die Sichtguthaben der Banken zu erhöhen. Da aber die Bankenaufsicht die nötigen Strukturreformen nicht vorantrieb, hatte sie zu wenig Anreiz, dies aggressiv genug zu tun. Zu viel billige Liquidität senkt den Reformdruck. Japan sei ein Lehrbeispiel für die Eurokrise, erklärte Hoshi. Bei ungenügender Koordination könnten sich Bankenaufsicht und Notenbank gegenseitig schwächen statt ergänzen. Eine mögliche Lösung wäre es, dass die Zentralbank auch die Alleinverantwortung für die Finanzstabilität übernimmt. Mehr makroprudenzielle «Hoheit» hatte auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Verlauf der Krise gefordert. Insbesondere will sie die Vergabe von Hypothekarkrediten, wo sie eine Überhitzung befürchtete, leichter beschränken können.
Ausblick – Unternehmen
In der kommenden Woche steht unter den kotierten Schweizer Unternehmen Sonova im Fokus. Der weltgrösste Hörgerätehersteller gibt am Dienstag die Ergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres per Ende März bekannt. Die durchschnittliche Markterwartung geht angesichts der harten Referenzwährung von einem weitgehend unveränderten Umsatz (2010/11: 1617 Mio. Fr.) und Bruttogewinn (1119 Mio. Fr.) aus. In Lokalwährungen wird mit einem Verkaufsplus von rund 12% gerechnet.
Am Donnerstag folgt der Jahresabschluss (per Ende März) des Medizinaltechnikunternehmens Ypsomed. Vom Injektionssystemanbieter, der sich in einem Turnaround befindet, erwarten die Analysten eine leichte Umsatzverbesserung auf gut 250 Mio. Fr. und eine Gewinnverdoppelung auf über 10 Mio. Fr.
Die Aussenwerbegesellschaft Affichage will sich an der Generalversammlung, die am Mittwoch in Genf stattfindet, wieder in APG umbenennen. Noch wichtiger ist der Antrag des Verwaltungsrats zur Abschaffung der Stimmrechtsbeschränkung von 5%.
Der in Nachlassstundung stehende Buntmetallverarbeiter Swissmetal veröffentlicht am Freitag den Geschäftsbericht 2011. Für die Aktien des insolventen Raffinerieunternehmens Petroplus ist am Mittwoch der letzte Handelstag; am Donnerstag werden sie dekotiert.